IT Wissen nicht nur für die Ausbildung

Zu viel Geschäftsprozesse?

Heute möchte ich ein paar Gedanken über den wirtschaftlichen Teil der Ausbildung zum IT-Systemelektroniker loswerden. Im Beruflichem Schulzentrum für Elektrotechnik Dresden (kurz BSZET), meiner ehemaligen Berufsschule, nennt man das Fach Geschäftsprozesse. Möglich dass es an anderen Schulen auch nur mit Wirtschaft betitelt wird.

Ich fand, wie auch viele andere Schüler, dass dieses Fach zu stark im Unterrichtsplan präsent ist. Im dritten Lehrjahr konnten wir uns, bis auf Donnerstags, an jedem Wochentag an diesem Fach erfreuen. Das wäre nicht so schlimm gewesen, wenn es nicht noch ein großes Problem gegeben hätte, das mit Sicherheit auch 2006 und 2007 noch aktuell besteht. Der Unterrichtsinhalt.

In quälend langen Unterrichtseinheiten kauten wir alle, in Großproduktionsunternehmen vorkommenden Situationen durch. Ein paar Stichworte: Opportunitätskosten, Ablaufoptimierung, Rechnungskontrolle, Liquiditätsplan, Prokura, Wechsel. Rechenbeispiele waren stets im Umfeld von Produktionsunternehmen angesiedelt. Nach dem Motto „Wie hoch muss die verkaufte Stückzahl sein, bis ich den break even erreiche?“

Wir machten dies und berechneten jenes. Nur fragten wir uns immer öfter: Was hat das mit unserer Ausbildung und mit unserem Beruf zu tun? Gab es nicht einen anderen Ausbildungsberuf mit der Bezeichnung IT Systemkaufmann?

In der Realität steht man mit dem ganzen Sack von angesammeltem Geschäftswissen da und kann ihn auch schon gleich in die Elbe werfen. Oder jeden anderen Fluss, der tief genug ist. Denn der berufliche Alltag sieht anders aus. Beschaffung? Okay. Preiskalkulation? Wird auch benötigt. Aber der Rest? Und was ist, wenn man auf die verwegene Idee kommt sich nach der Ausbildung (oder mit etwas gesammelter Berufserfahrung) selbstständig zu machen. Was muss man da tun, was gilt es zu beachten?

In meinem Fall halfen mir Artikel und Anleitungen im Internet weiter, als die unzähligen Unterrichtstunden zum Thema Geschäftsprozesse. Und da kam mir der Gedanke: Warum lernt man in der Ausbildung nicht etwas über Einnahmen-Überschussrechnungen, über das Berechnen eines angemessenen Stundensatzes, über das Organisieren von Selbstständigen in Netzwerken. Oder wie wäre es mit einem Projekt: „Wir gründen ein kleines PC-Service Unternehmen“.

Die Schüler sollten meiner Meinung nach auf reale wirtschaftliche Situationen trainiert werden. Auch in Hinblick auf eine mögliche Selbstständigkeit in der Computer und IT-Branche.

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2 Kommentare und Links

  1. André

    8. April 2010

    Hy.. ich bin jetzt in der Ausbildubg in Hof und ich muss sagen, dass sich nichts geändert hat! Und ja, wir stellen uns auch immer die Frage, ob wir kaufleute oder Techniker werden!

    Bei uns gab es sogar den fall, dass wir zwei wochen lang keinen Unterricht in netzwerktechnik bzw pctechnik hatten! da fragt man sich was das soll…

    Noch mal eine persönliche frage: wie wichtig ist in dieser Ausbildung eigentlich das programmieren bzw in wie weit interessiert es einen Arbeitgeber?

  2. Christian

    8. April 2010

    @André

    Um das Programmieren kommt man in der Ausbildung nicht herum auch wenn man es später gar nicht braucht. Es ist sicher nicht schlecht ein paar Grundlagen zu kennen, interessiert deinen Arbeitgeber aber vielleicht nicht die Bohne. Das kommt immer auf die genaue Tätigkeit an.

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